Freitag, 22. April 2016

Stillst du noch?

"Stillst du noch?"
"Meinst du nicht, du stillst zu oft?"
"Vielleicht solltest du mit dem Füttern warten und ihm nicht sofort was geben."
"Schläft er schon durch? Nein? Und immer noch bei euch im Bett?"
"Der muss aber bald lernen, alleine zu schlafen."
Mein Kind ist 6 Monate alt, der muss gar nix. Bis auf Essen, Schlafen und pupsen. Es ist das leidige Thema. Wie man es macht, macht man es falsch. Und es sind alles nur gut gemeinte Ratschläge. Jaja.
Erfüllt man die Bedürfnisse seines Kindes, heißt es sofort, es wird verwöhnt. Aber kann ich ein Kind in dem Alter überhaupt verwöhnen? Nur weil ich auf kleine Signale reagiere und nicht warte, bis es richtig weint? Weil ich im Schlaf bei ihm bleibe, wenn er meine Nähe möchte?

Der Große war ein Flaschenkind und hat schon sehr früh durchgeschlafen, musste aber oft lange geschunkelt und geschleppt werden. Der Kleine hingegen protestiert häufig im Halbschlaf, wenn er merkt, dass ich weg bin. Also lege ich mich wieder zu ihm und mache "Einschlafstillen" Mal weniger, mal häufiger. Tagsüber bekomme ich deshalb nicht immer alles erledigt und abends haben mein Freund und ich wenig Zweisamkeit. Aber wir wissen, dass diese Zeit vorbei geht. Schließlich werden die Kinder so schnell groß.
Und jedes Kind ist anders. Die Bedürfnisse sind im Großen und Ganzen die gleichen, nur unterschiedlich ausgeprägt. Und darauf möchte ich eingehen. Auch wenn ich dafür ein Stück meiner Freiheit aufgebe. Ich weiß, dass es nur vorübergehend ist. Ich opfere dafür nicht mein Leben, lediglich etwas Zeit. Zeit, die ich genieße.
Wie kann es sein, dass von Kindern erwartet wird, zu funktionieren? Möglichst schnell durchschlafen, am besten von Geburt an. Bevor sie 2 sind sollten sie zumindest tagsüber trocken sein. Und jeden Tag spätestens um 7 ins Bett. Ich meine, nicht einmal ich schlafe jede Nacht durch (auch bevor ich Kinder hatte nicht) oder bin jeden Tag um die selbe Uhrzeit müde. Genauso wie ich nicht jeden Tag meinen Teller leer esse. Das soll nicht heißen, dass Kinder ohne Regeln aufwachsen sollten oder ohne Grenzen. Ich denke nur, dass Kinder als Individuen angesehen werden sollen. Die einen brauchen mehr Regeln, die anderen mehr Freiheiten. Ich wünsche mir glückliche Kinder, die gerne auf ihre Kindheit zurück blicken.

"Unser Alltag ist ihre Kindheit."

Ein Satz, der mein Denken und Handeln beeinflusst hat. Hoffentlich positiv.
Ich habe das Gefühl, dass der Gedanke in unseren Köpfen spukt, dass sich unsere Kinder in unseren Alltag einfügen müssen. Aber schöner ist es doch für Eltern und Kinder, wenn es hin und wieder mal anders herum gemacht wird. Dann lässt man den Staubsauger stehen und liest noch ein Buch mit den Kindern oder macht einen spontanen Ausflug in den Wald.
Mir ist es wichtig, die Bedürfnisse meiner Kinder zu erfüllen. Das heißt nicht, dass ich jedem Wunsch nachgebe. Aber Grundbedürfnissen. Das Urvertrauen muss gefestigt werden. Je jünger das Kind, desto schneller sollte reagiert werden.
Aber vielleicht mache ich ja auch alles falsch und ich erziehe mir furchtbare und verwöhnte Kinder 🙈 Bisher hat dieses Konzept allerdings im Großen und Ganzen gut funktioniert. Respekt ist das Zauberwort. Gegenseitiger Respekt. Wir lehren unseren Kindern Respekt vor uns und anderen. Genauso wie wir sie respektieren. Kein Zwang; zum Beispiel beim Essen oder Schlafengehen. Kein "Du musst den Teller leer essen" und kein "Es ist 19 Uhr. Du musst ins Bett." Es kann auch mal halb acht oder später sein. An manchen Tagen wird es auch früher. Es gibt kein Geschrei, keinen Kampf. Meistens geht es ganz freiwillig. Das hängt natürlich von Phase, Schub, Gemütszustand und/oder Mondphase ab 😄

Jedes Kind ist anders und die dazugehörigen Eltern auch. Punkt. Im Normalfall will jeder das Beste für seine Kinder. Und das weicht hin und wieder auch mal von der "Norm" ab. Und ich denke, viel Liebe hat noch keinem Kind geschadet, wie auch immer sie geäußert wird.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Afterbabybody

Afterbabybody. Mein Unwort der letzten Jahre.
Ich war jung und hatte nach einigen Gewichtsschwankungen endlich mein Traumgewicht. Ich weiß, dass ich dieses Gewicht nie mehr erreichen werde. Denn das möchte ich auch gar nicht, es war viel zu anstrengend es zu erreichen und vor allem auch zu halten. Teilweise habe ich nur einen Apfel am Tag gegessen und noch viel Sport gemacht. Viel zu ungesund und ich war schlapp. Das geht mit 2 Kindern einfach nicht mehr.
Nach der Geburt meines ersten Sohnes war ich tieftraurig. Mein Körper war "ruiniert". Zum Teil war ich selbst Schuld, ich habe all das gegessen, was ich mir vorher verboten hatte. Zugenommen hatte ich über 20 kg. Die sollten so schnell wie möglich wieder runter. Die Streifen am Bauch habe ich recht schnell akzeptiert, sie gehören jetzt dazu, haben meinen Körper gezeichnet. Er hat ein Wunder vollbracht. Das Gewicht ging in den nächsten Monaten langsam aber stetig runter. Nach ca. einem halben Jahr hatte ich ca. 63 kg (statt vorher 57 kg) und damit war ich zufrieden. Sicher, mein Körper war jetzt ein anderer, man konnte sehen, dass er ein Kind in sich trug. Die Haut am Bauch war nicht so straff wie vorher. Aber hey, wozu gibt es Shapeweare? Mit mehr Sport wäre die Haut sicherlich auch wieder etwas zurück gegangen. Hin und wieder habe ich auch ein wenig Sport gemacht, aber ich hatte ehrlich gesagt weder Zeit noch Lust viel zu machen. Ich hatte anderes zu tun. In die Mutterrolle musste ich erst hineinwachsen, Haushalt und Zeit mit meinem Kind waren mir wichtiger. Ganz am Anfang fühlte ich mich unglaublich unter Druck gesetzt, Facebook und Instagram sind voll mit Frauen, die in kürzester Zeit aussahen, wie vor der Schwangerschaft. Es hat ein wenig gedauert, bis ich akzeptiert habe, nicht dazu zu gehören. Ich habe keine "guten Gene" abbekommen (danke Mama, dir sieht man nicht an, dass du ein Kind hast) und ich bin keine Fitnesstrainerin oder Model, ich verdiene kein Geld mit meinem Äusseren. Von Kleidergröße 36 habe ich mich auch verabschiedet, ich stecke meine Kraft lieber in meine Kinder.
Henry war ca. 9 Monate alt, da war ich auch schon wieder schwanger. Diesesmal achtete ich mehr auf meine Ernährung, nach aber trotzdem 26 kg zu. Jetzt, 3 einhalb Monate später, wiege ich 72,6 kg. Und da ich nicht vorhabe, die nächsten Jahre schwanger zu werden, kann ich mich um meinen Körper kümmern. Aber ohne (Zeit)Druck. Sport mache ich, wenn ich Zeit und Lust habe. Essen tue ich möglichst gesund und intuitiv, schließlich stille ich noch. Verbieten werde ich mir nichts. Eventuell wird es etwas länger dauern noch 10 kg zu verlieren. Aber solange kaschiere ich meine Körperform. Ich habe einfach keine Lust mehr, mich von den Medien beeinflussen zu lassen bzw als "faul" abstempeln zu lassen. Vermutlich wird man immer sehen, dass ich Kinder habe, mein Bauch war schon immer meine Problemzone. Aber deswegen werde ich mich nicht schlecht fühlen. Okay, es gibt Tage, da hasse ich mich und meinen Körper, kann ihn nicht im Spiegel betrachten ohne in Tränen auszubrechen. Aber diese Tage sind seltener geworden.

#loveyourlines



Wir finden schön, was wir häufig sehen. Straffe, dünne Körper sehen wir oft. Täglich. Nicht immer im Alltag, aber in den Medien. Es gibt Frauen, die essen können, ohne groß zuzunehmen. Zu denen gehöre ich nicht. Natürlich schwingt da ein klitzekleines bisschen Neid mit, aber ich gönne es jedem. Ich finde es großartig, dass sich immer mehr "normale" Frauen kurz nach der Geburt zeigen. Mit Restbauch, Streifen und Augenringen. So sieht die Mehrheit der Frauen nun mal aus. Aber gezeigt wurde es lange nicht. je präsenter es in den Social Media ist, desto wohler fühle ich mich. Nein, das soll keine Ausrede sein, sich gehen zu lassen. Nur darf man sich Zeit nehmen, abnehmen ohne Druck und Zwang. Nicht 2 Tage nach der Geburt seinen Bauch fotografieren und sagen "hoffentlich geht er schnell weg". Ja das wird er. Bei der einen schneller, bei der anderen langsamer. Es klingt abgedroschen, aber Hauptsache man selbst und das Kind ist gesund! Alles andere ist ein Bonus.
Ich will damit sagen, dass man sich nicht zu sehr stressen sollte. Wenn man sofort mit Sport anfangen möchte, soll man das tun. Wenn nicht, auch gut. 
Mein Körper ist gezeichnet. Aber er hat auch 2 Wunder vollbracht. Dafür Danke ich ihm. Auch wenn ich ihn manchmal hasse. Ich werde das beste aus ihm rausholen und das wird dauern. Vielleicht noch ein Jahr oder länger. Nach Henrys Geburt fühlte ich mich von den Medien furchtbar unter Druck gesetzt. Aber ich habe gelernt. Nicht jede Frau kann ganz schnell aussehen wie "vorher" Ich gehöre nicht zu denen, die nach drei Wochen wieder in ihre Jeans passt. Aber das ist okay. Mir wurden 2 zauberhafte, gesunde Kinder geschenkt. Das ist das Beste, was mir passieren konnte. Irgendwann werde ich mich wieder wohl fühlen. Und so lange trage ich Bauch-weg-Schlüppis und weite Kleidung ✌ 

Dienstag, 19. Januar 2016

Von Mutter zur Mama

Ich weiß noch, wie nervös ich war, als ich den Test in der Hand hielt. Zwei Minuten warten. Eigentlich brauchte ich den Test nicht, ich wusste es irgendwie schon. Nach wenigen Sekunden tauchte er auch schon auf, der rosa Streifen, der mein Leben verändern sollte. Schwanger. Scheiße, dachte ich. Dabei konnte ich Kinder nicht mal leiden, sie waren laut, meistens dreckig und verschnoddert und unverschämt. Ausserdem war ich noch nicht lange mit dem Kindesvater zusammen. Und dieser wartete unten auf das Ergebnis. Ich blieb bestimmt noch 10 Minuten im Bad und starte auf den Streifen, packte ihn und ging raus. Mein Freund stand da und an meinem Blick erkannte er das Ergebnis. Und grinste. Küsste mich und nahm mich in den Arm.
Mutter werden ist nicht schwer, Mama sein dagegen sehr. Da ist definitiv was dran. Meine Schwangerschaft verlief problemlos, genießen konnte ich sie trotzdem nicht. Ich hatte ständig Angst, dass ich das Kind nicht lieben könnte, dass ich als Mutter versage. Angst vor der Geburt, Angst vor einem ruinierten Körper. Als die ersten Schwangerschaftsstreifen auftauchten, war ich tottraurig.
Ich wusste nicht einmal, ob ich überhaupt Mutter sein wollte.
Ich erinnere mich noch ganz genau, als ich mein Kind das erste Mal gespürt habe. Ich lag im Bett und plötzlich war da ein kleiner Stups. Als würde da jemand sagen "Hallo, hier bin ich." Erst von da an war die Schwangerschaft richtig real für mich.
Sicher, ich freute mich auf meinen Sohn und war gespannt, wie er sein würde. Aber ich war nicht so euphorisch, wie man es von einer schwangeren Frau erwarten würde. Bis zum Ende der Schwangerschaft konnte ich mich nicht als Mutter sehen. Es war merkwürdig. Ich und Mutter.
Henrys Geburt war schnell und unkompliziert. Trotzdem überwältigte mich der Schmerz und die Anstrengung und ich war einfach nur müde. Niemals würde ich behaupten, das wäre der schönste Tag meines Lebens gewesen. Das beste, was mir passieren konnte, ja. Aber ich hatte definitiv schon angenehmere Tage. Hätte man mir mein Kind nicht sofort gegeben, hätte ich es nicht schlimm gefunden, denn dann hätte ich schlafen können. Aber ich war jetzt für dieses kleine, zarte Wesen verantwortlich. Und er machte es mir wirklich leicht. Gemeckert wurde nur bei Hunger, ansonsten war er ein sehr zufriedenes Baby.

In den drei Tagen, die wir im Krankenhaus verbracht haben, lag irgendwie ein Schleier über mir. Erinnern kann ich mich kaum noch daran. Ich weiß nur, dass ich glücklicher getan habe, als ich es tatsächlich gewesen bin. Zuhause angekommen ging es mir besser, Schmerzen hatte ich aber immer noch. Zwei Wochen konnte ich nur wie ein Pinguin watscheln. Mein Körper war eine Katastrophe, ich fühlte mich unfassbar unwohl.
Allmählich trudelte der Alltag ein, richtig fühlte es sich für mich aber immer noch nicht an. Aber ich wollte es gut machen, gab mir Mühe und setzte mich unter Druck. Irgendwie funktionierte es auch, die Wohnung war sauber, ich geschminkt und geduscht und das Kind zufrieden.
Bitte nicht falsch verstehen, ich hatte keine postnatale Depression, ich war glücklich, aber nicht wirklich angekommen. Zwar hat man zehn Monate Zeit, sich auf das Kind vorzubereiten, aber letztendlich kommt es doch ganz plötzlich.
Angst kam auf, mit mir würde etwas nicht stimmen. Also recherchierte ich ein wenig im Internet und war erleichtert, dass es nicht nur mir so erging.
Leider klappte das Stillen nicht und ich musste zufüttern. In meiner Gefühlswelt ist das ein Rückschlag gewesen. Ich habe versagt. Ich bin keine gute Mutter. Heute weiß ich, dass ich zu unentspannt gewesen bin, ich habe mich nicht auf das Mama-sein eingelassen. Ich wollte zu viel auf einmal. Mein Kind versorgen, den Haushalt perfekt erledigen und schnellstmöglich meine alte Figur zurück. Das konnte nicht funktionieren. Ich fand mich damit ab jetzt eine Flaschen-Mutti zu sein.
Nach und nach bauten sich die Gefühle zu meinem Sohn immer mehr auf. Spätestens an dem Morgen, an dem er über 40 Grad Fieber hatte, wusste ich, was Muttergefühle sind! Er war nicht einmal zwei Monate alt und wir mussten insgesamt drei Mal ins Krankenhaus mit ihm, beim letzten Mal wurde er operiert. Es war eine grausame Zeit, die ich möglichst verdränge. Sein Kind leiden zu sehen, hilflos zu sein, ließen die Geburtsschmerzen lächerlich wirken.

Muttergefühle waren endlich da, aber ne richtige Mutti war ich immer noch nicht. Richtig "angekommen" bin ich erst, als Henry ein knappes halbes Jahr alt wurde.
Es hatte mich anfangs traurig gemacht, dass es so lange gedauert hat. Dafür genieße ich es heute umso mehr. Ich habe immer noch zu hohe Ansprüche an mich selbst, aber inzwischen sehe ich vieles entspannter. Perfekt ist niemand.

Warum noch ein Mama-Blog?

Das hat die Welt gebraucht. Noch eine Mutti, die einen Blog schreibt. Nein, natürlich nicht, aber ich habe mir schon lange vorgenommen, einen zu schreiben. Ich lese wahnsinnig gerne, welche Erfahrungen andere Mütter gemacht haben, welche Meinungen sie haben und auch alltägliche Dinge. Es macht Spaß; und wer weiß, vielleicht liest ja auch jemand meinen Blog. Und wenn nicht, ist er nur für mich. Schon als Kind und auch als Jugendliche war das Schreiben eine Art Therapie, eine Auszeit für mich.
Ich bin keine Supermutti, nicht reich oder jette um die Welt. Ich bin eine ganz normale Frau mit ihrer kleinen Familie die den täglichen Spagat zwischen Alltag und Wahnsinn versucht, mal mehr mal weniger erfolgreich.
Dazu gehören ein Mann und zwei Söhne. Zwei Kinder unter 2 Jahren. Eine Herausvorderung, aber die schönste Aufgabe, die ich je hatte. Und das, obwohl ich keine Kinder haben wollte. Schon gar nicht, bevor ich 30 bin. Jetzt bin ich 26 und habe zwei Kinder.

Als ich frisch gebackene Mutter war, habe ich viel im Internet gelesen. Zum einen um mich zu informieren, zum anderen um über andere junge Mütter zu lesen. Ich denke, dass es mir geholfen hat, lockerer zu werden. Es nahm mir den Druck, perfekt sein zu wollen. Wir Mütter sind auch nur Menschen. Und das ist nicht selbstverständlich.