"Stillst du noch?"
"Meinst du nicht, du stillst zu oft?"
"Vielleicht solltest du mit dem Füttern warten und ihm nicht sofort was geben."
"Schläft er schon durch? Nein? Und immer noch bei euch im Bett?"
"Der muss aber bald lernen, alleine zu schlafen."
Mein Kind ist 6 Monate alt, der muss gar nix. Bis auf Essen, Schlafen und pupsen. Es ist das leidige Thema. Wie man es macht, macht man es falsch. Und es sind alles nur gut gemeinte Ratschläge. Jaja.
Erfüllt man die Bedürfnisse seines Kindes, heißt es sofort, es wird verwöhnt. Aber kann ich ein Kind in dem Alter überhaupt verwöhnen? Nur weil ich auf kleine Signale reagiere und nicht warte, bis es richtig weint? Weil ich im Schlaf bei ihm bleibe, wenn er meine Nähe möchte?
Der Große war ein Flaschenkind und hat schon sehr früh durchgeschlafen, musste aber oft lange geschunkelt und geschleppt werden. Der Kleine hingegen protestiert häufig im Halbschlaf, wenn er merkt, dass ich weg bin. Also lege ich mich wieder zu ihm und mache "Einschlafstillen" Mal weniger, mal häufiger. Tagsüber bekomme ich deshalb nicht immer alles erledigt und abends haben mein Freund und ich wenig Zweisamkeit. Aber wir wissen, dass diese Zeit vorbei geht. Schließlich werden die Kinder so schnell groß.
Und jedes Kind ist anders. Die Bedürfnisse sind im Großen und Ganzen die gleichen, nur unterschiedlich ausgeprägt. Und darauf möchte ich eingehen. Auch wenn ich dafür ein Stück meiner Freiheit aufgebe. Ich weiß, dass es nur vorübergehend ist. Ich opfere dafür nicht mein Leben, lediglich etwas Zeit. Zeit, die ich genieße.
Wie kann es sein, dass von Kindern erwartet wird, zu funktionieren? Möglichst schnell durchschlafen, am besten von Geburt an. Bevor sie 2 sind sollten sie zumindest tagsüber trocken sein. Und jeden Tag spätestens um 7 ins Bett. Ich meine, nicht einmal ich schlafe jede Nacht durch (auch bevor ich Kinder hatte nicht) oder bin jeden Tag um die selbe Uhrzeit müde. Genauso wie ich nicht jeden Tag meinen Teller leer esse. Das soll nicht heißen, dass Kinder ohne Regeln aufwachsen sollten oder ohne Grenzen. Ich denke nur, dass Kinder als Individuen angesehen werden sollen. Die einen brauchen mehr Regeln, die anderen mehr Freiheiten. Ich wünsche mir glückliche Kinder, die gerne auf ihre Kindheit zurück blicken.
"Unser Alltag ist ihre Kindheit."
Ein Satz, der mein Denken und Handeln beeinflusst hat. Hoffentlich positiv.
Ich habe das Gefühl, dass der Gedanke in unseren Köpfen spukt, dass sich unsere Kinder in unseren Alltag einfügen müssen. Aber schöner ist es doch für Eltern und Kinder, wenn es hin und wieder mal anders herum gemacht wird. Dann lässt man den Staubsauger stehen und liest noch ein Buch mit den Kindern oder macht einen spontanen Ausflug in den Wald.
Mir ist es wichtig, die Bedürfnisse meiner Kinder zu erfüllen. Das heißt nicht, dass ich jedem Wunsch nachgebe. Aber Grundbedürfnissen. Das Urvertrauen muss gefestigt werden. Je jünger das Kind, desto schneller sollte reagiert werden.
Aber vielleicht mache ich ja auch alles falsch und ich erziehe mir furchtbare und verwöhnte Kinder 🙈 Bisher hat dieses Konzept allerdings im Großen und Ganzen gut funktioniert. Respekt ist das Zauberwort. Gegenseitiger Respekt. Wir lehren unseren Kindern Respekt vor uns und anderen. Genauso wie wir sie respektieren. Kein Zwang; zum Beispiel beim Essen oder Schlafengehen. Kein "Du musst den Teller leer essen" und kein "Es ist 19 Uhr. Du musst ins Bett." Es kann auch mal halb acht oder später sein. An manchen Tagen wird es auch früher. Es gibt kein Geschrei, keinen Kampf. Meistens geht es ganz freiwillig. Das hängt natürlich von Phase, Schub, Gemütszustand und/oder Mondphase ab 😄
Jedes Kind ist anders und die dazugehörigen Eltern auch. Punkt. Im Normalfall will jeder das Beste für seine Kinder. Und das weicht hin und wieder auch mal von der "Norm" ab. Und ich denke, viel Liebe hat noch keinem Kind geschadet, wie auch immer sie geäußert wird.
